EDITORIAL

Traditionelle und moderne Medizin

Das Schwerpunktthema „ Traditionelle und moderne Medizin “ beschäftigt sich mit unterschiedlichen Medizinsystemen. Da gibt es zum einen die westlich-moderne naturwissenschaftliche Biomedizin, zum anderen Medizinsysteme wie Ayurveda oder die chinesische Heilkunde - um nur die, in der westlichen Welt bekanntesten zu nennen -, die auf dem Wissen jahrtausende-alter Traditionen beruhen. Der auffallenste Unterschied zwischen Biomedizin und allen anderen Medizinsystemen ist der, dass die wichtigste Grundlage der heutigen Biomedizin das Sezieren von Leichen war und in der Medizinausbildung immer noch ist. Der Leichnam – ein Körper ohne Seele – ist der Ausgangspunkt der naturwissenschaftlichen Medizin. Alle anderen - traditionellen – Medizinsysteme gehen dagegen von der Einheit von Körper und Seele aus. Ihr Bemühen um Heilung konzentriert sich auf das Gleichgewicht des menschlichen Lebens, und dabei spielt Religion eine bedeutende Rolle. Hier steht bei der Heilung die Frage nach dem Warum (warum wurde der Mensch krank?) im Vordergrund. Das Kurieren der Krankheit als solcher, ist nur ein Teilbereich der gesamten Therapie. Grundsätzlich wird hier davon ausgegangen, dass ein Mensch, der aus seiner Bahn geraten ist, krank wird. Hat er oder sie das Gleichgewicht wieder gefunden, geschieht die Heilung sozusagen von selbst.

Biomedizin und traditionelle Heilmethoden aber können sich ergänzen. Während die Biomedizin die Krankheit direkt angeht und hochpotente Medikamente und Operationsmethoden kennt, sind traditionelle Heiler in der Lage, ihr Wissen um die Bedingungen des Lebens - auch außerhalb der materiellen Welt -, einzusetzen.

Einige der Beiträge in diesem Schwerpunkt zeigen, wie Biomedizin und traditionelle Medizin parallel nebeneinander arbeiten können. Auch wenn diese Beispiele aus Mittel – und Süd-Amerika kommen, kann man doch ergänzend hinzufügen, dass auch in den modernen westlichen Gesellschaften traditionelles Heilerwissen immer mehr gefragt ist.

Hinzuweisen ist besonders auch auf den Beitrag über Organtransplantation aus ethnologischer Sicht und auf den Beitrag über AIDS in Tanzania, der die Hintergründe des Familienlebens mit den Folgen der Immunschwächekrankheit beleuchtet.


Herausgeber © Museum der Weltkulturen, Frankfurt a. M. 2008

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