EDITORIAL

Sepik - Papua Neuguinea

Der Themenschwerpunkt Sepik - Papua Neuguinea ist zugleich Thema der Ausstellung Reisen und Entdecken. Vom Sepik an den Main , die das Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main vom 27. Oktober 2007 bis zum 19. Oktober 2008 zeigt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Sammlungen aus den Jahren 1961 und 1963, die von Frankfurter Wissenschaftlern am Sepik und seinen Nebenflüssen in Papua Neuguinea zusammengetragen wurden. Die Ausstellung zeigt die Sepik-Kulturen der 1960er-Jahre und reflektiert gleichzeitig den musealen Umgang mit ihnen. Das Schwerpunktthema Sepik - Papua Neuguinea greift diese Themen auf, erweitert und vertieft sie.

Papua Neuguinea (PNG), einstmals zu den deutschen Kolonien gehörend, ist eine Region, über die - auch in der deutschen Öffentlichkeit - wenig bekannt ist und die am Rande unserer weltpolitisch und kulturell ausgerichteten Aufmerksamkeit liegt. Ab den 1960er-Jahren gab es einige ethnologische Forschungs- und Sammlungsreisen nach Neuguinea, von denen Objekte in der Ausstellung gezeigt werden und über deren Forschungsergebnisse in den Beiträgen dieses Schwerpunktthemas berichtet wird.

Meinhard Schuster, einer der Frankfurter Sammler, erinnert in seinem Beitrag an die so genannte erste Frankfurter Sepik-Expedition von 1961, während der er zusammen mit seinem Kollegen Eike Haberland im Auftrag der Stadt Frankfurt für das völkerkundliche Museum etwa 5000 Alltags- und Kunstgegenstände zusammen trug und Eva Ch. Raabe (Ausstellungskuratorin von „Vom Sepik an den Main“) schreibt über den musealen „Lebenslauf“ dieser Objekte: In den 1960er-Jahren wurden sie als Gebrauchs- und Kultgegenstände vom Sepik an den Main gebracht, im Magazin des Völkerkundemuseums gelagert nutzte man sie als Belegstücke für wissenschaftliche Arbeiten und in der heutigen Zeit werden sie zu Werken der „reinen Kunst“ erklärt. Christian Kaufmann gibt einen kunsthistorischen Überblick über die Rezeption, die Kunst vom Sepik im Wandel der Zeiten erfuhr. Dabei lenkt er – der Exponatauswahl in der Ausstellung entsprechend – die Aufmerksamkeit des Lesers auf Malereien auf Palmblattscheide, die lange Zeit weniger Beachtung fanden als die dreidimensionalen Schnitzwerke wie Aufhängehaken oder Männerhausfiguren.

Über den Alltag einer Feldforschung in einem Dorf der Iatmul am Sepik und über die mannigfaltigen Schwierigkeiten der Integration einer Forscherin berichtet Brigitta Hauser-Schäublin. Detailliert erfahren wir im Beitrag von Markus Schindlbeck wie sich die Bevölkerung in den Überschwemmungsgebieten des Sepik traditionell ernährt. Über ein besonderes Holz - Merbau - schreibt Christin Kocher Schmid: Merbau ist extrem hart und haltbar und hat von daher eine besondere Stellung in der Tradition der Zeremonialbauten in Papua Neuguinea. Jürg Wassmann analysiert in seinem Beitrag wie Geschichte und Identität der Iatmul in ihrer Sozialordnung immer wieder aufs Neue bekräftigt wird.

Die Globalisierung in Form von tiefen sozialen Einschnitten hat auch vor Papua Neuguinea nicht halt gemacht. Darüber berichten Marion Struck-Garbe (über HIV/AIDS), Roland Seib (über Kriminalität)und Clemens Schermann (über Flüchtlingslager an der Grenze zu West-Papua). In ihrem Beitrag "Überall nur Männer" gibt Katja Reuter einen Überblick über Lebensveränderungen und den Wandel von Normen und Werten, der vor allem in den Städten stattfindet, aber allmählich auch das Leben in den Dörfern verändert.







Herausgeber © Museum der Weltkulturen, Frankfurt a. M. 2008

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