DER BOMBENANSCHLAG AUF BALI 2002 IN DER KARIKATUR

Eine Rezension von Achim Sibeth

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"Es ist unmöglich, dass es in Indonesien Terroristen gibt!" Quelle: Buch S. 75

In diesem kleinen Band mit 40 Karikaturen und teilweise Serien beschäftigt sich der 1962 in Yogyakarta geborene Schriftsteller und Karikaturist I. B. Shakuntala mit dem Bombenanschlag, der am 12. Oktober 2002 den Ort Kuta auf der Ferieninsel Bali erschütterte. Dem Anschlag fielen über 200 Menschen zum Opfer, ein großer Teil davon waren Touristen aus zahlreichen westlichen Ländern. Die meisten stammten aus Australien, doch es waren auch sechs Deutsche unter den Opfern.

Direkte Folge des Anschlags war der völlige Zusammenbruch des internationalen Tourismus auf Bali. In nur wenigen Tagen verließen die Touristen die Insel fluchtartig, und die Regierungen aller Länder, die Opfer zu beklagen hatten, veröffentlichten umfangreiche Reisewarnungen. Diese sind zwar inzwischen alle zurückgenommen, doch der Tourismus auf Bali hat sich noch lange nicht erholt. Noch immer ist die Zahl der einreisenden Touristen deutlich unter denen der Jahre bis zum Bombenanschlag.

Das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie die Hersteller und Verkäufer von Souvenirs, Kunsthandwerk und Modeartikeln klagen bis heute über die mangelnde Auslastung und Nachfrage. Und die hohe Zahl der Arbeitslosen hat sich bislang nur punktuell reduziert.

Indonesien rangiert mit 230 Millionen Einwohnern weltweit an der vierten Stelle der Bevölkerungsstatistik. Circa 200 Millionen Indonesier bekennen sich zum Islam, die verbliebenen 30 Millionen zum Christentum, Buddhismus oder Hinduismus. Lange Zeit galt Indonesien als relativ friedlicher Vielvölkerstaat. Regionale Konflikte gab und gibt es in den Randbereichen des über 18.000 Inseln umfassenden Inselstaats. Dass Bali Ziel eines religiös motivierten Anschlages durch muslimische Extremisten werden könnte, galt bis Oktober 2002 als unwahrscheinlich.


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Shakuntala beschreibt in dieser Broschüre die Zusammenhänge mit dem Anschlag auf das World Trade Center in New York, den Krieg gegen Osama bin Laden in Afghanistan und die beiden amerikanischen Kriege gegen den Irak (Golfkrieg 1990 und heute). Er verweist aber auch darauf, dass Bombenanschläge selbst in Indonesien nichts Neues sind. Er spannt den Bogen vom Anschlag auf Sukarno 1958 und die gewaltsame Machtergreifung von Suharto nach dem 30.9.1965 über diverse Auseinandersetzungen in den 1980er- und 1990er-Jahren und zahlreiche Anschläge auf christliche Kirchen, die an Weihnachten 2000 Sumatra, Java, Batam und Nusa Tenggara erschütterten, bis hin zum Bombenanschlag am 12. Oktober 2002 und zu den Anschlägen im Frühjahr und Sommer 2003 in Medan und Jakarta.

Neben der Angst der Touristen, die zu vorzeitiger Heimreise führte, erkennt Shakuntala jedoch auch die Sensationsgier mancher Touristen, die verstärkt Orte aufsuchen, an denen Anschläge stattgefunden haben, oder die sich bewusst in Gefahr brachten, als sie zum Beispiel die Auseinandersetzungen zwischen dem indonesischen Militär und der Freiheitsbewegung GAM in Aceh (Nordsumatra) hautnah miterleben wollten. Diese Form von Terror-Tourismus stellt er gegen den ‚Tourismus’ des Terrors, der Indonesien ähnlich zu überziehen scheint wie die fremden Touristen.


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"Es gibt Terroristen in Indonesien!" Quelle: Buch S. 75

Shakuntala stellt aber auch die Frage, ob und wie man Terroranschläge in Sketchen und Karikaturen verarbeiten kann. Natürlich beklagt er die Opfer der Anschläge und macht diese keineswegs zum Inhalt oder zur Zielscheibe seiner Arbeiten. Vielmehr beschäftigt er sich mit der Unzulänglichkeit und Hilflosigkeit, mit der Bürger und Bürgerinnen, aber eben auch die Verantwortlichen in Verwaltung, Polizei und Militär mit der Bedrohung umgehen. So schildert er zum Beispiel in einer Szene, wie eine Telefonistin einer Furnierholz-Fabrik einen Anrufer, der einen Bombenanschlag auf diese Fabrik ankündigen will, mit der Bemerkung abschmettert: „Sie sind falsch verbunden!“ Oder er beschreibt einen Kindesentführer, der sich beim telefonischen Erpressungsversuch ständig verwählt. In teilweise humorvoll überzogenen Geschichten beklagt er die Unfähigkeit der Polizei. Sie entdeckt die wahren Täter nie, weil sie Vorurteile hat und falsche Vorstellungen davon, wie Terroristen aussehen und Bombenanschläge organisieren. Er klagt die Leichtgläubigkeit und Dummheit der Polizei an, die von jedem ‚Terroristen’ ausgetrickst werden kann.

Fazit: Die gezeichneten Karikaturen sind allgemein verständlich, die unterschiedlichen Charaktere der handelnden Personen sind liebevoll und detailreich wiedergegeben. Insgesamt ein durchaus witziges und zum Nachdenken anregendes Heft, das leider bislang nur in indonesischer Sprache vorliegt.

I. B. Shakuntala: Pariwisata terorisme. Obyek wisata baru di tengah maraknya ledakan bom di tanah air. Diterbitkan dalam rangka Mengenang Tragedi Bom Bali. Yogyakarta: Pustaka Marwa 2003. ISBN: 979-9341-86-8; kartoniert, 150 x 210 mm, 116 S., 40 Karikaturen.


Herausgeber © Museum der Weltkulturen, Frankfurt a. M. 2008

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